Zur Neuen Folge von Zweifel

Lange Zeit verzichtete die Zeitschrift  Zweifel auf aktuelle Auseinandersetzungen  und richtete den Blick vorwiegend auf gesellschaftliche Ursachen und Zusammenhänge. Denn die wahrgenommenen „großen“ Ereignisse und die mit ihnen verbundenen Personen bewegen meist nur die gesellschaftliche Oberfläche, wogegen Zweifel versucht den Blick auf die Wurzeln zu richten.

Der mit ungeheurer Wucht voranschreitende Kampf um die globale kapitalistische Vorherrschaft, die damit verbundenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, für die die konkurrierenden Gruppen und Systeme sich gegenseitig „verantwortlich“ machen, zeigt den wahren Charakter der als Horte von Freiheit und Menschlichkeit postulierten Gesellschaftssysteme. Der Kampf der den globalen Handel bestimmenden Konzerne um uneingeschränkten und  grenzenlosen Freihandel, gegen den vor kurzer Zeit noch massiv protestiert wurde, schlägt nun in den entwickelten Industriestaaten um in Sehnsucht nach Heimeligkeit, nach einem Idyll in Ab- und Ausgrenzung (wir zuerst), in den Traum von einer Ordnung von oben nach unten, in der jeder seinen rechten Platz hat.

Wer sich in den internationalen Wettkämpfen als Verlierer oder Betrogener (ob als einzelner oder als Staat) fühlt, sieht nun – seines Vertrauens in einen ihm nützlichen gesellschaftlichen Fortschritt verlustig – in nationalistischen, rassistischen und sexistischen Ideologien sein Heil. Irrationalismus, religiöser Wahn, durch geförderte Unwissenheit und Verneblung der Köpfe erzeugte abstruse Weltanschauungen auch hier in Europa, große Wahlerfolge für nationalistische Parteien wie die AfD, weitverbreitete Toleranz gegenüber Dummheit und der damit verbundene Triumpf der Frechheit, machen die Widersprüche deutlich. Die echten und vermeintlichen Nutznießer dieser Entwicklung, bei denen ausschließlich Eigennutz das Handeln bestimmt, bedienen sich immer ungehemmter und verlogener ihrem Machtstreben jeweils opportunen Ideologien.

Auch künftig wird Zweifel unter Nichtbeachtung gesellschaftlicher Tabus als gemeingültig erklärte Vorstellungen und Wertsysteme radikal in Frage stellen und so den groß angelegten Betrügereien – egal ob sie sich unter dem Mantel der Verheißung von Freiheit, Erlösung, Glück, Harmonie oder gar Abenteuer in die Gehirne schmeicheln – entgegenstellen.

Der Zweifel ist sich bewusst, dass er den gigantischen Maschinerien der Meinungs- und Bewusstseinsindustrien, die mit unglaublicher Wucht und mit der frechen Lüge „sozial“ zu sein, in die Köpfe drängen, fast nichts entgegenzusetzen hat. Zweifel sieht sich dennoch als Versuch der Sammlung von Menschen, die radikal und konstruktiv alles in Frage stellen, was als „selbstverständlich“ propagiert und von den meisten Menschen auch so angenommen und in die Tat umgesetzt wird. Dieses radikale, konstruktive Zweifeln wiederum soll bei den Lesern Zweifel wecken und in einem dynamischen Prozess enden.

Zweifel zieht dabei keine Grenzen zwischen den verschiedenen Formen der Künste und den verschiedenen Formen der Wissenscha­ften.

Die Beiträge bewegen sich auf allen Gebieten und bedienen sich aller Methoden, die der jeweilige Produzent beherrscht oder zu beherrschen sucht.

Die Zeitschrift­ Zweifel wurde 1926 von Ernst Fuhrmann begründet und bis 1929 herausgegeben. Ab April 2008 erschien Zweifel in neuer Folge in losen Abständen. Seit Mai 2017 kommt Zweifel jährlich in drei Editionen heraus (März, August und November).

Herausgeber der neuen Folge ist Rembert Baumann.

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